14. November 2009

Topfgucken im Kloster Maulbronn

Am 14. November 2004 gab es im Kloster Maulbronn eine Sonderführung: "Mönchen in den Topf geschaut".




Schnick und Schnack essen gerne (das sieht man), und sie kochen auch gerne (das sieht man nicht unbedingt). Aber nicht immer bloß Schnitzel mit Pommes und so was, nee, die probieren auch oft mal was Neues aus, auch wenn's manchmal ziemlich exotisch klingt. Deshalb haben sie sich neulich für etwas ganz Außergewöhnliches angemeldet: Sie wollten mal den Mönchen in die Töpfe gucken.

Also nicht wirklich, weil die Mönche von heute mögen das nicht so sehr, die haben lieber ihre Ruhe. Aber im Kloster von Maulbronn gab es eine Sonderführung, bei der man ein bisschen was über Essen und Trinken in mittelalterlichen Klöstern erfahren konnte.

Die beiden haben wieder ihre bereits bekannten Wanderschuhe angezogen, diesmal damit man im Kloster keine kalten Füße bekommt, das haben sie nämlich dort schon mal gehabt. Dann haben sie sich mit einen Haufen Freunden von stuttgartBUNT getroffen (die Edeltraud, der Rainer, der Reinhard, die Birgit natürlich und viele andere noch) und haben gewartet bis die Führung losging.




Schon die Wartezeit war ganz witzig, man konnte in den verschiedenen Klosterlädchen stöbern, allen möglichen Schnickschnack angucken, in Büchern stöbern und bei der Kräuterhexe reingucken. Weil sie aber alles die ganze Zeit hätten herumtragen müssen, waren die beiden ausnahmsweise mal vernünftig und haben nicht so doll eingekauft.

Dann kam die Frau Schumacher, so hieß die Klosterführerin, mit schwarzem Mantel und Krussellöckchen, und hat erst mal das ganze Kloster am Modell erklärt. Das war prima, denn es war noch in einem warmen großen geheizten Raum. Aber dann mussten doch alle raus und quer über den riesigen Klosterhof zur Kirche laufen. Und ab da war's dann kälter. Nicht nur draußen, auch in der Kirche und im Kreuzgang und in all den anderen Räumen, die so besichtigt wurden.

Die Mönche damals müssen ganz schön oft kalte Füße gehabt haben. Und Frau Schumacher hat gesagt, die seien auch nicht so alt geworden, weil’s im Kloster immer so kalt war. Da gab’s nur einen Raum, den man heizen konnte. Für 100 Leute - das muss man sich mal vorstellen. Und natürlich die Küche - weil zum Kochen braucht man halt Feuer. Deshalb haben sich wahrscheinlich immer ganz viele Mönche zum Küchendienst gemeldet - weil das immer noch besser ist, als auf dem Acker oder in der kalten Schreibstube oder so zu frieren.

Im Herrenrefektorium, so hieß das Esszimmer der Mönche, haben wir dann erfahren, wie das so war mit dem Essen im Kloster.

Also das war sehr unterschiedlich. Eigentlich hat der heilige Benedikt in seinen Spielregeln für Mönche das ziemlich klar aufgeschrieben, z.B. dass die Mönche kein Fleisch von Tieren mit 4 Füßen essen dürfen, aber er hat auch ein paar Hintertürchen offen gelassen. Und die haben dann manche Mönchsorden ziemlich schlau ausgenutzt und haben ganz schön leckere Sachen gekocht.

Aber die richtig harten Mönche wie die Zisterzienser aus Maulbronn, die haben gesagt, nee nee, wir machen da nicht mit. Wir halten uns an die Spielregeln. Und deshalb gab’s bei denen immer ein bisschen einfacheres Essen, und das auch nicht all zu oft. An ziemlich vielen Wochen im Jahr nur ein mal am Tag. Außer man war krank, aber da musste man immer mit Kapuze hoch und nem Stock über der Schulter rumlaufen, dass die anderen gleich sehen, dass da einer ist, der womöglich zwei Mal am Tag was zu essen bekommt.

Nach der ganzen Theorie ist die ganze Truppe dann in das Infozentrum vom Kloster gegangen, um sich erstens wieder aufzuwärmen und zweitens endlich mal was aus der Küche zu probieren.

Die Frau Schuhmacher und zwei Helfer hatten schon einiges aufgebaut. Zuerst mal den Würzwein Hippokras, der sozusagen als Medizin getrunken wurde. Hat ein bisschen geschmeckt wie kalter Glühwein, nur dicker. Manchen hat er so gut geschmeckt, dass sie gleich auf dem Tisch rumgekleckert und eine ziemliche Sauerei gemacht haben. Und dann gab’s eine Fastenspeise aus Lauch und Mandeln und vielen Gewürzen. Die hat nicht jedem geschmeckt, weil sie schon ganz schön wie Fastenessen ausgesehen hat. Aber Schnack und Reinhard haben sich gleich zwei Portionen geholt.

Danach haben wir eine Fischpastete probiert - mann, war die üppig. Man musste wieder raten, was alles drin ist, und alle zusammen haben das dann auch rausbekommen. Aber die Pastete war so mächtig, dass kaum einer 2 Stückchen verdrucken konnte - außer Reinhard und Schnack natürlich.

Zwischendurch musste man dann noch ein bisschen von dem Medizinwein probieren, denn der hat geholfen, den Magen ruhig zu halten. Und zum Schluss gab’s dann noch nen Mandelkuchen, da hat dann Schnick mehr zugeschlagen, und Schnack hat nur ein kleines Stückchen probiert, weil Süßes mag er nicht so.




Allmählich war’s draußen dann schon ganz schön dunkel geworden, und die meisten Leute wollten nach Hause. Wir haben dann der Frau Schumacher und ihren Helfern gesagt, dass sie das ganz toll gemacht haben, auch wenn nicht jeder alles so lecker gefunden hat. Und weil es zum heimfahren noch zu früh war, sind noch ein paar von den bunten Stuttgartern in eine Besenwirtschaft gefahren. Und man glaubt es nicht: Da gab’s doch welche, die konnten schon wieder Knöchle und Sauerkraut essen.

Schnick und Schnack sind dann bald nach Hause gefahren und sind noch ein bisschen in Gedanken durch das tolle Kloster spaziert. Eins wissen sie aber beide: Egal wie lecker das Klosteressen und der Würzwein sein mag, Mönch wär’ kein Job für die zwei.

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