13. Januar 2010

Warum in die Ferne schweifen? (1)

Heute morgen hatte Schnick einen Termin in Ludwigsburg. Nichts Besonderes. Da der Termin mitten am Vormittag statt finden sollte, hat sich Schnick den ganzen Tag frei genommen. Der Termin war schnell vorbei, die Sonne hat sich auch mal wieder gezeigt, das lädt zum Spazieren gehen ein. Ludwigsburg ist ja ein hübsches schwäbisches Städtchen, und als Schnick ein paar dicke Eiszapfen bemerkte, die geradezu gefährlich über den Köpfen der Passanten hängen, hat sie ihren Fotoapparat aus der Tasche genommen und angefangen zu knipsen.

Tja, und dann hat sie sich gefragt, warum die Leute eigentlich immer so viele Fotos machen, wenn sie im Urlaub sind, und niemals die Schönheiten sehen, die sie zu Hause vor der Tür haben! An den Dingen, die man kennt, läuft man doch meist vorbei - weil man es gerade eilig hat, weil man die Dinge seit hundert Jahren kennt und nicht (mehr) wahr nimmt, oder warum auch immer. Schade, oder?

Siehst du. Und deshalb hat sie sich noch ein bisschen mehr Zeit genommen und noch mehr Ludwigsburger Impressionen eingefangen. Versuch mal, einen Ort, den du gut kennst, mit den Augen eines Touristen zu sehen. Gar nicht so leicht. Zudem, wenn man nach kurzer Zeit Hunger bekommt und eigentlich lieber was essen möchte. Aber dazu später.




So richtige Touristenfotos sind es dann doch nicht geworden - wer würde schon die wunderschöne evangelische Kirche auf dem barocken Marktplatz von hinten knipsen, ganz ohne Marktplatz und ohne barocke Häuser?

Aber sieht doch gut aus, überhaupt mit Schnee. Aber gut, dann ist sie doch noch nach vorne auf den Platz gegangen, erstmal vorbei an dieser Tür, und weil sie ganz schrecklich an einem Türentick leidet, musste diese Tür natürlich auch fest gehalten werden. Hinter der Tür arbeitet wahrscheinlich gerade der Pfarrer. Oder vielleicht isst er gerade zu Mittag. Oder er ist gar nicht da, nur die Haushälterin, und die macht gerade eine Pause und trinkt einen Kaffee.

Komm, wir gehen um die nächste Ecke. Da sitzt auf einer Treppenstufe eine dicke Taube und schaut auf einen riesigen Berg Brot, den ein mitleidiger Tierfreund dort hin geworfen hat. Tauben füttern ist ja in den meisten Städten verboten. Der Tierfreund hat sich auch noch strafbar gemacht. Und wofür? Dass die dicke Taube da sitzt, glotzt, und gar keinen Hunger hat, tze.


Aber jetzt lass uns endlich einen Blick auf den Marktplatz werfen. Hier stehen ja zwei Kirchen gegenüber: Die große, ganz in rosa, die evangelische, und die kleine, etwas graue, katholische. Mitten auf dem Platz steht noch der Weihnachtsbaum. Schnick freut sich, dass sie ihn heute noch sehen durfte, wo doch schon der 13. Januar ist und alle Weihnachtsdinge langsam wieder aus dem Alltag verschwinden.




Warum ist eigentlich in dieser Ecke noch so viel Schnee, und in der Mitte fast nichts mehr? Wenn du ganz genau auf das Foto mit dem Weihnachtsbaum schaust, und dann ganz genau links neben den Baum guckst... siehst du das orangefarbene Ding? Das ist ein Räumfahrzeug, in dem saß ein fröhlicher junger Mann und flitzte über den Marktplatz, immer hin und her, so dass der Schnee nur so spritzte.


Kein schönes Bild für Touristen. Eher eins für Leute, die den Winter nicht mögen.

Naja, und dann hat Schnick auch keine Touristen-Augen mehr gehabt. Der Magen hat laut geknurrt, und weil es gerade so ein gemütlicher Moment war, hat sie beschlossen, irgendwo nett essen zu gehen. Und weil das Essen mit dieser Geschichte nichts mehr zu tun hat, lassen wir sie gemütlich essen und stören sie nicht.

Guten Appetit!